Coronavirus: Wäre eine Auswertung von Smartphone-Daten sinnvoll?

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Coronavirus: Wäre eine Auswertung von Smartphone-Daten sinnvoll?

Stars (1 / 1) 16.03.2021 00:33 / Angela Symbolbild Charles Bowman/Shutterstock.com


Technisch und gesetzlich machbar?

Seit einigen Tagen wird kräftig diskutiert, ob in Deutschland die Smartphone-Bewegungsdaten von Menschen ausgewertet werden sollen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Auf der einen Seite könnte dies Ärzten und den Behörden ermöglichen, leichter betroffene Kontaktpersonen zu ermitteln. Auf der anderen Seite stehen Datenschutzbedenken.

Gespeicherte Standortdaten zu diesem Zweck auszuwerten hält die Telekom laut Nachfrage des IT-Portals Golem für "Unfug". "Es dauert bis zu 14 Tage von der Ansteckung bis zu den ersten Krankheitssymptomen. Niemand kann verlässlich sagen, mit wem er oder sie in dieser unauffällig verlaufenden Zeit Kontakt hatte, der möglicherweise weitere Infektionen verursachte - bis auf unser Handy", erklärt Helmut Spudich ("Der Spion in meiner Tasche"), Ex-Kommunikationschef bei Magenta (ehemals T-Mobile Austria), auf Anfrage von spot on news die Überlegungen. "Unsere Bewegungsdaten, möglicherweise in Verbindung mit zusätzlichen Daten wie Adressbuch oder Facebook, geben sehr genau Auskunft darüber, mit wem wir Kontakt hatten - natürlich nicht 100-prozentig, aber mit ungleich höherer Genauigkeit als unser Erinnerungsvermögen."

Es wäre machbar

Auf der technischen Seite sei "dieser Abgleich sicherlich nicht trivial, kommt in Ländern wie Italien sicherlich zu spät. Aber es ist eine Option, die moderne Technologie eröffnet", erzählt Spudich weiter. Ansatzweise sei eine derartige Überwachung durchaus umsetzbar, aber "im umfassenden Sinn nicht kurzfristig. Denn ein Tracking, dass etwa die Verbreitung einer Infektion eindämmen soll, funktioniert optimal nur bei Verbindung aller Datenquellen: Nebst Betreiberdaten sind das vor allem Google und Facebook. Deren Datensammlung ist enorm, stellt jede Vorratsdatensammlung in den Schatten. Aber abgesehen von rechtlichen Voraussetzungen müssten dazu erst die Instrumente für solche Big-Data-Analysen in Echtzeit geschaffen werden."

Spudich sieht das Ganze auch als Chance, "Klarheit herbeizuführen, ob unsere Gesellschaft diese Möglichkeit zu ihrem gesundheitlichen Schutz künftig nutzen will - und die Parameter, dafür, wie das umzusetzen wäre. Leider sagt uns die Wissenschaft: Die nächste Epidemie kommt bestimmt. Und um die geht es in dieser Diskussion, der jetzige Coronavirus ist da nur ein Beschleuniger".

"Ab wie vielen Tote sind wir bereit, solche Maßnahmen zu setzen?"

In Deutschland und Österreich gebe es laut Spudich eine "hohe Sensibilität über den Eingriff in unsere Privatsphäre, und die jetzigen Datenschutzbestimmungen würden ein solches Tracking wohl unmöglich machen. Allerdings sehen die Gesetze zur Eingrenzung von Epidemien bei Gefahr sehr weitreichende Eingriffe in unsere Grundrechte vor - denken Sie nur daran, dass die Versammlungsfreiheit beschnitten wird." Österreich hat am Sonntag etwa angekündigt, die Versammlungsfreiheit vorübergehend aufzuheben, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (33) bei Twitter mitgeteilt hat.