"Tatort"-Star Fabian Hinrichs: Große Liebe per Online-Dating?

Seite 1 / 2

"Tatort"-Star Fabian Hinrichs: Große Liebe per Online-Dating?

Stars (1 / 1) 02.03.2021 00:33 / Simo Symbolbild BR/Hager Moss Film GmbH/Hendrik Heiden


Philosophisch betrachtet

Schauspieler Fabian Hinrichs (geb. 1974) interessiert sich privat unter anderem für Philosophie. "Das stimmt, ich studiere Philosophie, als endloses Hobby gewissermaßen", bestätigt der Kommissar-Voss-Darsteller lachend im Interview zum aktuellen "Tatort: Die Nacht gehört dir" (1. März, das Erste). Warum er in diesem Krimi "den Dating-Portal-Aspekt" aus philosophischer Sicht "am drängendsten" findet und warum er erhebliche Zweifel am Suchen und Finden der großen Liebe mithilfe dieses Instruments hat, erklärt er der Nachrichtenagentur spot on news.

Was inspirierte Sie bei diesem Franken-"Tatort" zum Nachdenken?

Fabian Hinrichs: Im "Tatort" finde ich eigentlich diesen Dating-Portal-Aspekt am drängendsten, weil die Einsamkeit in den Städten sehr groß ist. Und aufgrund der Marktförmigkeit jeglicher Daseinsform zersplittern natürlich auch die sozialen Beziehungen und deswegen wenden sich die Leute dann auch an solche Portale, die dann aber wiederum auch marktförmig sind.

Das heißt, Sie glauben nicht daran, dass man auf solchen Portalen die große Liebe finden kann?

Hinrichs: Ich glaube nicht daran, dass die große Liebe durch einen Algorithmus bestimmt werden kann. Auf solchen Dating-Portalen wird die Liebe eher wie in einem Supermarkt zusammengesucht. Dadurch fehlt dann der Gründungsmythos der Liebe, also dass man sich zufällig trifft und diesen Zufall festhält. Auf den Portalen ist es ja das Gegenteil von Zufall.

Welche Gefahren sehen Sie bei der Online-Partnersuche noch?

Hinrichs: Ich glaube, dass sich viele große Lieben auf diese Weise vielleicht gar nicht gefunden hätten, weil sie sich schon vorher weggestrichen hätten, nachdem irgendwelche Kriterien nicht gepasst haben. Ob zum Beispiel die Plattensammlung passt, man dieselben Bücher liest oder dieselben Filme gut findet, hat ja aber nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun. Diese Durchtränkung des gesamten Lebens unter wirtschaftlich-rationalen und effizienten Aspekten, deprimiert mich.

Für Dating-Portale spricht allerdings, dass manche sich sonst vielleicht gar nicht über den Weg gelaufen wären, weil sie in unterschiedlichen Städten leben, unterschiedlichen Branchen arbeiten etc. Beim ersten Live-Treffen ist dann ja alles genauso offen wie bei einem Zufallstreffen...

Hinrichs: Ja, das mag schon vorkommen, aber ich glaube, dass es dann wahrscheinlich eher ein "Obwohl" ist, also: Obwohl die beiden sich über ein Portal kennengelernt haben, entsteht Intimität, Leidenschaft, Verbindlichkeit, also Liebe. Ich will diesen Versuch, Einsamkeit zu überwinden, nicht diffamieren, keinesfalls, vielleicht würde ich auch diesen Weg versuchen, wenn ich einsam wäre, hilflos und ratlos. Was mich aber daran stört, ist die Kapitalisierung von Persönlichkeitsmerkmalen. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Herangehensweise an das Thema Liebe und Partnerschaft nicht auch dazu führt, dass man sich immer noch mehr verbessern möchte, außengeleitet. Viele suchen in solchen Portalen ja auch das Bestmögliche im Sinne von: Die ist lustig, aber vielleicht finde ich ja noch jemanden, der lustig ist und reich... oder was weiß ich.