Eigentlich wollte Joseph Vilsmaier Musiker werden. Nach einer Lehre beim renommierten Kamerahersteller Arnold & Richter (Arri) studierte er neun Jahre lang am Münchner Konservatorium Musik mit dem Schwerpunkt Klavier. Danach spielte er als Amateur in einer Jazz-Band. Schließlich machte er aus seiner Leidenschaft für bewegte Bilder einen Beruf: Er wurde Kameraassistent, dann Kameramann und wirkte gleich bei einigen "Tatort"-Episoden, der TV-Serie "Auf Achse" sowie bei Klamauk-Filmen mit Didi Hallervorden mit. Seine erste Arbeit als Regisseur war "Herbstmilch" - und auf Anhieb ein kommerzieller Erfolg.
Obwohl Joseph Vilsmaiers Filme vielfach ausgezeichnet und er für "Schlafes Bruder" sogar für den Golden Globe nominiert wurde, bemäkelten einige Filmkritiker seine Werke. Zwar sei sein Gespür für Bildkompositionen "bewundernswert", doch seine Schwäche liege bei den zwischenmenschlichen Tönen. Man unterstellte ihm einen "Hang zu Sentimentalität und zum Plakativen" und kritisierte seinen "naiven, aber immer gutwilligen Umgang" mit komplexen Themen.
Schicksalsschlag 2009Bereits als Kameramann hatte Joseph Vilsmaier bei den Dreharbeiten zu "Ein Stück Himmel" die Liebe seines Lebens kennengelernt, und 1986 heiratete er die tschechische Schauspielerin Dana Vávrová. Mit ihr hat er die Töchter Janina, Theresa und Josefina. Dana Vávrová spielte in vielen Filmen ihres Mannes mit, unter anderem in "Herbstmilch", "Stalingrad", "Schlafes Bruder" und "Comedian Harmonists". Dann 2009 sein schlimmster Schicksalsschlag: Dana Vávrová starb mit nur 41 Jahren an Gebärmutterhalskrebs.
Den Tod hat Vilsmaier in seinem Spätwerk eingehend thematisiert. In "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" (mit Franz Xaver Kroetz) nach einem populären bayerischen Volksstück wird der Boandlkramer (oder Gevatter Tod) von einem listigen Büchsenmacher ausgetrickst. Aus dem Sterben wird eine Komödie, und im bayerischen Jenseits gibt es immer satt Weißwürste und "keine Preißn".
Den Boandlkramer spielte 2008 der Münchner Bully Herbig. Ihn engagierte Joseph Vilsmaier auch wieder für seinen allerletzten Film "Der Boandlkramer und die ewige Liebe". Er soll im November 2020 in Kinos kommen - ein letzter Gruß vom bayerischen Urgestein Vilsmaier.